05.09.2018

Der berühmteste Schnauzbart der Soers

Hubert Coonen mit CHIO Aachen-Maskottchen "Karli".

Hubert Coonen mit CHIO Aachen-Maskottchen "Karli".

Hubert Coonen sagt: "Tschö, wa!"

36 Jahre hat Hubert Coonen als Ordner beim CHIO Aachen gearbeitet, nun sagt er "Tschö, wa!". Uns hat er erzählt, worüber er am meisten gelacht hat, welches Wort Reiter am häufigsten benutzen und welches sein Lieblingsgast war.

Über seine Anfänge…

Schon mein Vater hat hier als Ordner gearbeitet. Das war in den 60er-/ 70er-Jahren. Da war es irgendwie logisch, dass ich das auch mache, zumal ich ja selber pferdebegeistert bin. Und als dann damals Ordner gesucht wurden, habe ich mich gemeldet. So bin ich zum Reitturnier gekommen, 36 Jahre ist das jetzt her. Der erste Einsatzort war am Champagnerzelt, das damals gleich neben dem Einritt stand. Früher gab es auch noch einen Durchgang unter der Mercedes-Benz Tribüne, das war dann mein zweiter Einsatzort. Als dann der Platz am Ausritt frei wurde, das war noch kein Gatter wie heute, sondern eine Schranke, da durfte ich dahin. Mit Josef Graf habe ich da, ach, bestimmt zehn oder 15 Jahre zusammen gestanden.

 

Über das Turnier damals…

Das Turnier selber war natürlich viel kleiner, alles war einfacher. Das ganze Drum und Dran ist viel größer und professioneller geworden, manches war damals noch ein bisschen familiärer. Das war auch eine schöne Zeit damals, meine Anfangszeit.

2005.

2005.

Über das Verhältnis zu den Reitern…

Die Reiter waren immer freundlich, damals wie heute. Jahr für Jahr war das ein schönes Wiedersehen, egal ob Amerikaner, Mexikaner, unsere deutschen Reiter, aber auch die Trainer Otto Becker und Heiner Engemann – alle haben mich fröhlich begrüßt und ganz viele haben auch Fotos gemacht. Und dann heißt es immer „Wie geht’s, alles gesund, wie waren die letzten Monate?“. Zeit für einen kleinen Verzäll war immer, da haben sich schon kleine Freundschaften aufgebaut. Und man muss natürlich akzeptieren, wenn die Reiter mal schlecht gelaunt aus dem Parcours kommen, kommt ja auch schon mal vor. Und ehrlich gesagt: Das meistbenutzte Wort an dieser Stelle ist „Shit“. Hundertprozentig.

 

Über die Tage vor dem CHIO-Start…

Da war ich mit Manfred Heinrichsen immer an der Zufahrt zum Gelände eingesetzt, die jungen Wilden haben uns alle genannt. Was haben wir da gelacht. Da haben sich auch richtige Bekanntschaften und manche Freundschaft entwickelt. Auch zu den Mitarbeitern der größeren Firmen wie NetAachen, Do & Co, Boels oder Röder, aber natürlich auch zu den Mitarbeitern der Geschäftsstelle. Und morgens und abends ein paar freundliche und nette Worte zu wechseln, das gehört zum CHIO doch dazu. Viele kamen mit einem langen Gesicht die Allee hoch, aber wenn sie bei uns vorbei waren, da lachten alle.

Die "Jungen Wilden" vom Haupteingang.

Über die letzten 36 Jahre…

Ach, was ist da nicht alles passiert? Ich erinnere mich an eine ältere Dame, die wollte zur Parcoursbesichtigung, schließlich stehe das im Programmheft. Dass das nur für die Reiter war, ließ sie nicht gelten. Also habe ich sie mitgenommen und ihr den Parcours gezeigt, die war so glücklich und zufrieden – einmalig! Oder E.T., das Pferd von Hugo Simon, hatte einst seinen Reiter abgeworfen und ist auf dem Weg in Richtung Stall über uns hinweggesprungen. Erst im Stall hat er angehalten. Oder bei der EM, da ist ein Pferd durchgegangen, das konnte ich in letzter Sekunde aufhalten, da wäre fast schon früher ein Posten an der Schranke frei geworden. An der Stelle darfst Du keine Angst vor Pferden haben. Und auch wenn die Schranke 2006 durch ein Gatter abgelöst wurde, war ich bekannt als „Der Mann an der Schranke“. Das hat auch mal die Reporterin von der FAZ geschrieben, da haben mich sogar CHIO-Besucher aus Bremen drauf angesprochen, sie wollten den Mann von der Schranke mal kennenlernen. Oder Nastassja Kinski, die Schauspielerin, die seit Jahren zusammen mit Herrn Bühlbecker von der Firma Lambertz zum Turnier kommt, ist mal von der Tribüne runtergekommen, sie wollte ein Foto von den jungen Wilden machen. Und dann waren Manfred und ich mal zu Gast im WDR Studio Aachen. Traumhaft. Einmalig. Wir wurden geschminkt, wir wurden gepudert. Wir haben Tränen gelacht. Und nach der Sendung sollte das wieder runter, da haben wir gesagt: Nix da. Das bleibt drauf für zuhause. Wir haben uns kaputtgelacht.

Über seinen Lieblingsgast…

Ganz klar, das war Hans Günter Winkler. Er ist jedes Jahr zu mir gekommen, hat ein Schwätzchen gehalten. Und erst dann ging er weiter. Und als er 84 Jahre alt war, da ist er noch über die Bande geklettert. „Herr Winkler“ hab´ ich gefragt, „in Ihrem Alter, wie machen Sie das?“ Da hat er gesagt: „Jung! Du musst leben. Lass´ die Ärzte sagen was sie wollen. Leben musste.“ Das ist mein Motto geworden. Ich lebe gerne und gehe auch selten zum Arzt. HGW war immer ein Highlight.

 

Über zukünftige CHIOs…

Das wird schwer. Als Zuschauer auf die Anlage zu kommen, wird mir nicht leichtfallen. Ich war jetzt auch immer früh morgens da, auch wenn ich erst ab mittags oder nachmittags eingeplant war, um den jungen Leuten zur Seite stehen zu können. Es geht ja nicht nur darum, das Tor zu öffnen und zu schließen, man ist ja auch Ansprechpartner für viele Leute oder muss die Reiter drauf hinweisen, dass sie die Parcoursbesichtigung nicht in Turnschuhen machen sollen. Aber auch als Gast werde ich gerne wieder in die Soers kommen und das Turnier genießen, ich gehe ja im Frieden. Und der CHIO ist ein Teil meines Lebens. Klar habe ich auch Tränen in den Augen, aber ich bin froh, dass ich den Zeitpunkt selber festgelegt habe.

 

Über Tipps für die jungen Leute im Ordnungsdienst…

Freundlich sein. Zu den Gästen, aber auch untereinander.