23.06.2023

Einfach bezaubernd!

2022 wird Charlotte Fry mit nur 26 Jahren Doppel-Weltmeisterin und erklimmt erstmals in ihrer Karriere die Spitze der Weltrangliste. Ein Gespräch mit der jungen Britin, die in den Niederlanden ein Zuhause gefunden hat.

Im vergangenen Jahr haben Sie sich im dänischen
Herning zur Doppel-Weltmeisterin gekrönt.
Für viele war das überraschend, für Sie selbst auch?
… ja, das war es. Inzwischen sind zwar einige Monate vergangen,
aber ehrlich gesagt muss ich mich immer noch hin und wieder
kneifen, um zu verstehen, dass wir dort wirklich Weltmeister
geworden sind. Und wenn das nicht hilft, schaue ich mir die
Medaillen an. Sie funkeln zu sehen und anzufassen, ist einfach
jedes Mal aufs Neue ein ganz unglaubliches Gefühl.

 

Gemeinsam mit Glamourdale verzaubern Sie
seither die Dressurwelt. Was ist er für ein Typ?
„Glammy“ ist für mich ein „One in a million horse“. Er ist so
besonders, ganz artig im Umgang und unkompliziert im Training.
Er will einfach immer sein Bestes geben und liebt es, sich zu
präsentieren. Auf seinem Rücken sitzen zu dürfen, ist das
unglaublichste Gefühl, das ich als Reiterin überhaupt haben
kann. Ich liebe jede Sekunde davon.

 

Wann sind Sie das erste Mal mit Pferden in
Berührung gekommen?
Ich bin in dem Dressurstall meiner Familie aufgewachsen.
Eigentlich bin ich geritten, bevor ich überhaupt laufen konnte.
Somit war es naheliegend, dass ich selbst auch Reiterin werde –
so wie meine Mutter es gewesen ist.

 

2014 haben Sie Ihre Heimat Großbritannien verlassen
und in den Niederlanden ein neues Zuhause gefunden …
… ja, ich bin jetzt seit achteinhalb Jahren bei Van Olst Horses.
Für mich ist das ein ganz besonderer Ort mit ganz besonderen
Menschen, der inzwischen meine zweite Heimat geworden ist. Ich
bin von ganzem Herzen dankbar für die unglaublichen Möglichkeiten,
die sich mir hier bieten, die vielen tollen Pferde, die ich reiten darf,
und die großartige Unterstützung, die mir zuteil wird.

 

Carl Hester hat Ihr großes Talent entdeckt und
den Kontakt zu Anne van Olst hergestellt. War das
rückblickend betrachtet genau der richtige Weg?
Auf jeden Fall. Die Bindung zu Anne van Olst ist sehr eng. Über die
Jahre ist sie für mich viel mehr geworden als nur meine Trainerin.
Sie ist immer für mich da, wir können über alles sprechen und ihre
Art des Trainings ist immer wieder aufs Neue inspirierend. Ich habe
schon so viel von ihr lernen dürfen. Sie legt sehr viel Wert auf eine
präzise Grundausbildung und hilft mir herauszufinden, was
jedes Pferd in seiner täglichen Arbeit braucht.

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Stalltour mit Lottie Fry

Ein normaler Tag im Leben von Charlotte Fry, wie
sieht der aus?
Ich liebe es, früh aufzustehen. Meistens bin ich um 6 Uhr im Stall,
füttere die Pferde und fange dann mit dem Reiten an. Pro Tag
stehen immer 12 bis 14 Pferde auf meinem Plan. Da ist alles dabei,
vom dreijährigen Youngster bis hin zum fertigen Grand Prix
Pferd – diese Vielfalt macht meine Arbeit ganz besonders
spannend. Fertig bin ich so gegen 17 oder 18 Uhr. Dann drehe ich
noch eine kleine Runde mit meinem Hund „Bami“, im Anschluss
gehen wir heim, damit ich für den nächsten Tag ausgeruht bin.

 

 

Zu „Bami“ scheinen Sie eine ganz besondere Beziehung
zu haben …
Wir beide sind unzertrennlich. Ich habe ihn von Anne zu meinem 21.
Geburtstag geschenkt bekommen. Seitdem ist er immer an meiner
Seite. Er ist ein richtiger Sonnenschein, reist als Glücksbringer mit
zu den Turnieren – und er liebt Kameras. Er weiß immer ganz genau,
wie er posieren muss (lacht).

Lottie und ihr Hund Bami

Lottie und ihr Hund Bami

Es heißt, vor wichtigen Prüfungen haben Sie ganz
besondere Rituale …
Es klingt vielleicht ein bisschen verrückt, aber ich putze
mir immer unmittelbar bevor ich aufsteige meine Zähne. Und ich
verbrauche unfassbar viel Haarspray. Ich glaube, meine Frisur
würde tagelang halten, ohne dass auch nur eine Haarsträhne ihre
Position verlässt (lacht).

 

Sie sind erst Mitte zwanzig und schon Doppel-
Weltmeisterin. Wie geht es weiter?
Ich möchte mir und meinen Pferden einfach die Freude erhalten,
die wir gemeinsam an unserem Sport haben. Was wir geschafft
haben, kann uns niemand mehr nehmen. Aber natürlich gibt es
auch noch ein paar Ziele, die ich erreichen möchte.

 

Ein Sieg im Deutsche Bank Preis beim CHIO Aachen
fehlt auch noch auf Ihrer Erfolgsliste …
Ja, das stimmt. Es wäre schon cool, irgendwann meinen
Namen auf der Siegertafel zu lesen.

 

In diesem Jahr ist Großbritannien das offizielle
Partnerland des CHIO Aachen. Ist das für Sie
etwas Besonderes?
Natürlich, das ist wirklich aufregend. Großbritannien hat so
viele unverwechselbare Facetten, es wird großartig, Aachen
im britischen Look zu erleben.