23.05.2026
TSCHIO Aachen 2026: Lillie Keenan triumphiert in der 2. Qualifikation zum Rolex Grand Prix
13 Paare hatten sich für das Stechen der 2. Qualifikation zum Höhepunkt des TSCHIO Aachen 2026, dem Rolex Grand Prix am Sonntagmittag, empfohlen. Und lange schien es, als würde an der Bestzeit des Belgiers Abdel Said niemand rütteln können. Mit seiner 13-jährigen Stute Wathnan Bonne Amie hatte er eine Marke gesetzt, die wie in Stein gemeißelt wirkte. Mit großer, raumgreifender Galoppade war seine Sportpartnerin förmlich über den Stechparcours geflogen, leicht und geschmeidig über die Sprünge, eng und präzise in den Wendungen. Kein Fehler, keine Unsicherheit – am Ende stoppte die Uhr bei 39,59 Sekunden. Die Führung schien sicher. Vorerst.
Dann betraten Lillie Keenan und ihr brauner Hengst Kick on das Aachener Hauptstadion – jenes Paar, das erst vor Kurzem beim Weltcup-Finale in Texas einen guten zehnten Rang erritten hatte. Es wurde still im weiten Rund. Konzentration lag in der Luft: bei der Reiterin, beim Pferd, auf den Rängen. Was dann folgte, war eine Paradevorstellung modernen Springsports – rasant und doch von beeindruckender Harmonie geprägt. Immer im Rhythmus, immer im Gleichmaß, immer miteinander. Kick on, die Ohren aufmerksam nach vorne gerichtet, suchte förmlich den nächsten Sprung. Die Wendung zum vorletzten Hindernis, an der so viele Paare zuvor an Fluss eingebüßt hatten, meisterte das Duo mit scheinbarer Leichtigkeit. Dann die letzte Linie. Schon ehe Kick on zum finalen Steilsprung abhob, brandete Jubel von den Tribünen auf. Getragen von tosendem Applaus trug der 12-Jährige seine Reiterin über das letzte Hindernis. Der Blick auf die Anzeigetafel brachte Gewissheit: 38,21 Sekunden. Führung – und was für eine! Doch die Spannung war damit noch nicht vorbei: Als letzter Starter stellte sich der Argentinier José María (Jr.) Larocca mit seinem Contendro-I-Sohn Chris der Entscheidung. Auch er blieb fehlerfrei, zeigte in 40,10 Sekunden eine hochklassige Runde und sicherte sich damit Rang drei.
„Ich habe den Moment sehr genossen“, strahlte eine sichtbar glückliche Lillie Keenan nach der feierlichen Siegerehrung. „Jetzt heißt es resetten, morgen ist ein neuer Tag, an dem ich wieder mein Bestes geben möchte“, richtete die 29-Jährige den Blick bereits auf den Rolex Grand Prix. Dort wird sie den KWPN-Wallach Faster satteln – jenes Pferd, mit dem sie im vergangenen Jahr den Höhepunkt des CHIO Aachen als Sechste beenden konnte. „Er ist ein sehr erfahrenes Pferd – für mich eines der besten der Welt. Ich denke, wir haben eine sehr gute Chance, wenn ich meinen Job so gut mache, wie es mir heute gelungen ist.“
Zwei weitere, die sich in der Aachener Soers sichtlich zuhause fühlen, sind Julien Epaillard und sein zwölfjähriger Wallach Easy Up de Grandry. Bereits am Vortag hatten sie den Preis der Soers für sich entschieden, heute waren sie im Preis des CHIO Aachen CAMPUS erneut das Maß aller Dinge. Mit einer pfeilschnellen Runde distanzierte der Franzose die Konkurrenz um mehr als fünf Sekunden. Platz zwei sicherte sich der für Israel startende Daniel Bluman mit seiner neunjährigen Schimmelstute Malina (0/74,95). Die Deutsche Sophie Hinners komplettierte mit Iron Dames Kaleni Jo als Dritte das Podest (0/75,43).
In der Youngster-Tour erklang nach Abschluss der 2 Qualifikation die Schweizer Hymne über dem Hauptstadion. Zu Ehren der Siegerin Janika Sprunger wurde das Schweizer Kreuz hoch über den Rängen gehisst. Die 38-Jährige zauberte im Sattel ihrer talentierten Nachwuchshoffnung Victory Music Z in 69,22 Sekunden die schnellste fehlerfreie Runde auf den Heiligen Rasen. „Gestern war sie noch sehr schüchtern“, berichtete die strahlende Siegerin über ihre achtjährige Stute. „Aber heute war sie ein ganz anderes Pferd.“ Auf den Plätzen zwei und drei folgten der Österreicher Max Kühner mit Cardi MT (0/69,72) sowie Publikumsliebling und Vortagessieger Richard Vogel mit United Call JPS (0/70,13). Am morgigen Sonntag steht für die jungen Pferde ab 9.45 Uhr das Finale im Preis des Handwerks auf dem Programm – Spannung garantiert.
Das Foto zeigt US-Reiterin Lillie Keenan und ihren Hengst Kick on, die in der 2. Qualifikation zum Rolex Grand Prix nicht zu schlagen waren (Foto: Jasmin Metzner/CHIO Aachen).
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